Pfarre St. Barbara, Johannes-Messner-Weg 11, 6130 Schwaz

 

Baubeschreibung: Architektur und Liturgie

 Planung Mag.arch Peter Margreiter

Grundsteinlegung 1980 mit Bischof DDr. Paulus Rusch

Kirchweihe 1985 mit Bischof Dr. Reinhold Stecher

Spiritus rector der Umsetzung Pfarrer Rudolf Theurl

 

Das Pfarrzentrum St. Barbara mit seinem laternenbekrönten Pyramidendach stellt dank seiner geometrisch autonomen Gestalt die markanteste bauliche Erscheinung des Schwazer Neubaugebiets außerhalb des Lahnbaches dar. Sie ist zugleich die erste soziale Einrichtung dieses Stadtteils und als solche kontinuierlich gewachsen:

Eltern-Kind-Zentrum 1995, Sozialladen 2016, Obdachlosen-Unterkunft 2019.

 Die liturgische Konzeption in Einheit mit der Sprache des Raumes von St. Barbara darf als besonders geglückt angesehen werden. Durch den Kunstgriff einer gestaffelten Raumbegrenzung gelingt es, die äußere Umfangungsmauer mit indirektem Tageslicht zu erhellen. Über diese (entmaterialisierte) Lichtfläche erhoben, läuft von allen vier Seiten das pyramidenförmige Holzdach auf die Mitte der Laterne zu. Diese Mitte bildet sich nochmals in der Untergurtkonstruktion des Gesprenges als ein über der Altarstelle schwebendes Quadrat ab. Damit gewinnt der Raum nicht erst sekundär durch die Anordnung liturgischer Funktionsorte seine Mitte, sondern schon aus seiner eigenen Bewegung. Indem diese die Mitte schafft, ist der Raum selbst das Versammelnde, und setzt er den konziliaren Gedanken der liturgischen Versammlung exemplarisch um. Man kann auch so sagen: Das liturgische Konzept des II. Vaticanums ist in Sankt Barbara auf besondere Weise bauliche Gestalt geworden.

Dieses Ergebnis mag es erlauben, einen vergleichenden Blick auf die Schwazer Stadtpfarrkirche zu werfen. Niemand wird deren ungleich höhere kunsthistorische und architektonische Bedeutung in Abrede stellen. Dennoch wird sie nie aus eigener Raumbewegung die Intensität des Versammlungscharakters und, daraus entstehend, die Einheit des Raumes darstellen können, wie dies in Sankt Barbara zu erfahren ist. Und sie wird weiter nie die Atmosphäre familiärer Geborgenheit vermitteln können, wie sie den Kirchenbau Margreiters auszeichnet. Beides aber entspricht der Intention des II. Vaticanums * und ist in seiner eigenständigen Architekturqualität durchaus zu würdigen.

 

* Beachte neben der stets zitierten Liturgiekonstitution auch die Pastoralkonstitution „über die Kirche in der Welt von heute“, bekannt unter ihren Anfangsworten „gaudium et spes“.

  

Innsbruck, 25. Mai 2021                                                         Markus Illmer, Arch.

14.09.2015 Laternenputz